Netzwerke –
die Gesichter vor Ort

Die vielfältig aufgestellten Netzwerke der Bildungsinitiative eint ein gemeinsames Ziel: Alle Kinder in Deutschland sollen die Möglichkeit haben, an Bildungsorten ihren eigenen Fragen nachzugehen und forschend die Welt zu entdecken.

In allen 16 Bundesländern sind lokale Netzwerkpartner als Fortbildungsanbieter aktiv.

 

© Kleine Forscher UNIONHILFSWERK Brandenburg/Christian Schmidt
Die Netzwerke organisieren zentrale Zertifizierungsfeiern.

Basis und Motor dieses regional tief verankerten, dezentralen Multiplikatorenmodells sind die Netzwerkpartner – Institutionen aus Politik, Bildung und Wirtschaft. Sie finanzieren sich eigenständig und verfolgen keine kommerziellen Interessen dabei, die Ziele und Themen der Bildungsinitiative zu verbreiten. Netzwerkkoordinatorinnen und -koordinatoren der Partnerinstitutionen ermöglichen Kitas, Horten und Grundschulen in ihrem Einzugsgebiet die Teilnahme an den Fortbildungsangeboten vor Ort.

Außerdem sorgen die Netzwerkpartner für die Vernetzung mit der jeweiligen Bildungslandschaft – zum Beispiel, indem sie Veranstaltungen zum „Tag der kleinen Forscher“ oder Zertifizierungsfeiern realisieren. Sie sind die vertrauten Gesichter der Bildungsinitiative vor Ort. Dabei arbeiten die Netzwerkpartner in der Regel nicht allein: Über die Jahre haben sie sich stabile Netzwerke in ihrer Region aufgebaut. Damit sind es nicht nur die 214 Netzwerkpartner selbst, welche die so wertvolle Rolle übernehmen, die Botschaft des „Hauses der kleinen Forscher“ in ihre Region zu tragen, sondern vielmehr die etwa eintausend engagierten Akteurinnen und Akteure. Wer zu diesen Netzwerken gehört und wie sie die Idee vom „Haus der kleinen Forscher“ konkret unterstützen, variiert von Fall zu Fall. Wie vielfältig die Verflechtungen vor Ort sind, zeigen die folgenden drei Beispiele.

Starke Partner vor Ort – das Südwestmetall-Netzwerk Hochrhein

© Stiftung Haus der kleinen Forscher/Christoph Wehrer
Das Netzwerk organisiert vor Ort Fortbildungen des "Haus der kleinen Forscher".

„Meine Strategie war von Anfang an, das Netzwerk so aufzubauen, dass ich hier vor Ort starke Partner habe“, sagt Monika Schmitt. Und sie hat ihre Strategie erfolgreich umgesetzt. Seit mehr als zehn Jahren ist Schmitt die Koordinatorin des Südwestmetall-Netzwerks Hochrhein in Baden-Württemberg. Nach und nach hat sie sich ein stabiles Netzwerk aus verschiedenen Institutionen aufgebaut.
Die Landkreise Waldshut und Lörrach gehören genauso dazu wie die Justus-von-Liebig-Fachschule für Erzieherinnen und Erzieher und die Stoll VITA Stiftung. Ein weiterer enger Partner ist die IHK Hochrhein-Bodensee – eine Besonderheit, ist doch die Zusammenarbeit von zwei so großen Arbeitgeberverbänden wie Südwestmetall und IHK nicht immer selbstverständlich. Auch durch die Schirmherrschaft von in der Bundes- und Landespolitik Tätigen aus beiden Landkreisen sowie die punktuelle Zusammenarbeit mit renommierten regionalen Unternehmen wird das Netzwerk bereichert.

Die Partner unterstützen das Südwestmetall-Netzwerk mit Räumlichkeiten und personellen Ressourcen, übernehmen Kosten für das Honorar von Trainerinnen und Trainern sowie für das Catering bei Veranstaltungen. „Der Bekanntheitsgrad und die Bedeutung des Arbeitgeberverbands Südwestmetall hat mir bei meiner Netzwerkarbeit sicherlich manche Türen geöffnet“, so Monika Schmitt. „Gerade am Anfang.“ Die Tatsache, dass der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg hinter der Initiative steht, habe es ihr damals erleichtert, mit Institutionen wie der IHK oder den Landkreisen überhaupt ins Gespräch zu kommen.

Netzwerk entwickelt sich mit neuen Partnern und Formaten weiter

Heute ist die Zusammenarbeit selbstverständlich und das Netzwerk überaus lebendig. Neben den Fortbildungen des „Hauses der kleinen Forscher“ organisiert Monika Schmitt zentrale Zertifizierungsfeiern, Fachtage und Forscherfeste zum „Tag der kleinen Forscher“. Außerdem unterstützt sie die Veranstaltungsreihe „Waldshuter Bildungsfrühling“ – alles in Zusammenarbeit mit ihren lokalen Partnern. Dies stärkt die Verankerung und Sichtbarkeit der Idee vom „Haus der kleinen Forscher“ in der Region.
Und es kommen immer wieder neue Institutionen dazu. „Ich versuche mich möglichst breit zu vernetzen, sodass ich entsprechend der angesagten Aktionen und Themen agieren kann. Und dann überlege ich zusammen mit meinen Partnern, wie die konkrete Zusammenarbeit aussehen kann“, erläutert Schmitt. So entwickeln sich neue Formate. Gerade bereitet sie gemeinsam mit ihrer Koordinatoren-Kollegin vom Netzwerk IHK Südlicher Oberrhein eine zweitägige Fortbildung für Kita-Leitungen zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im Hochschwarzwald vor, Übernachtung und Vollverpflegung inklusive. Und die Kitas? Die schätzen die Arbeit von Monika Schmitt. „Die Leitungen, die pädagogischen Fachkräfte und die Trägervertretungen wissen, dass sie von uns ein hochwertiges Programm erwarten dürfen“, sagt Schmitt.

Lokale Besonderheiten werden eingebunden – die Netzwerke Landkreis Elbe-Elster und StädteRegion Aachen

© (c) Stiftung Haus der kleinen Forscher / Christoph Wehrer
Die Mitarbeiterin wird freigestellt, um als Trainerin zu arbeiten.

Rund 30 Prozent aller Netzwerke des „Hauses der kleinen Forscher“ sind in einem Landkreis bzw. einer Stadt angesiedelt – und damit fest in den kommunalen Strukturen vor Ort verankert. Das Netzwerk Landkreis Elbe-Elster im südwestlichen Brandenburg ist so ein Beispiel, wie auch die StädteRegion Aachen in Nordrhein-Westfalen. In beiden Fällen werden die Aktivitäten des jeweiligen Netzwerks vom Bildungsbüro aus koordiniert. Das hat entscheidende Vorteile für die Netzwerkarbeit – unabhängig davon, ob ein Netzwerk eher ländlich oder städtisch geprägt ist.

Einbettung in vorhandene Strukturen vereinfacht die Netzwerkarbeit

„Dadurch, dass das Netzwerk direkt in der Kreisverwaltung angesiedelt ist, können wir die inhaltliche Arbeit über Gremien wie den Jugendhilfeausschuss oder die Arbeitsgemeinschaft der Träger transparent kommunizieren“, sagt Netzwerkkoordinator Sebastian Hilbert für den Landkreis Elbe-Elster.
In Aachen profitiert man zudem davon, dass das „Haus der kleinen Forscher“ hier zusätzlich ein Teil des regionalen MINT-Netzwerks ist. „Die Einbettung des lokalen Netzwerks in größere Strukturen vor Ort sorgt dafür, dass die ‚Haus der kleinen Forscher‘-Aktivitäten in einem regionalen und biografischen Kontext gesehen und konzipiert werden können“, erklärt Nadejda Pondeva vom Bildungsbüro. Die Kontakte untereinander werden vereinfacht, die Wege der Kooperation verkürzt.

„In Elbe-Elster kennt man sich“

Zahlreiche weitere Partner tragen vor Ort jeweils praktisch dazu bei, dass die Idee vom „Haus der kleinen Forscher“ lebt: von der Stadt, die eine Mitarbeiterin freistellt, damit sie als Trainerin für das Netzwerk arbeiten kann, über Veranstaltungsorte, die Räume für Workshops zur Verfügung stellen, bis hin zur Kreisvolkshochschule. „Die Einbindung der lokalen Besonderheiten, die alle Netzwerkakteure für sich vertreten und in die Arbeit einbringen, schafft einen authentischen Mehrwert“, so Sebastian Hilbert. „In Elbe-Elster kennt man sich. Diesen Aspekt in der Netzwerkarbeit nicht zu berücksichtigen wäre wie ohne Gewürze zu kochen: etwas fade.“
Und so entstehen durch die engen Kontakte und kurzen Wege auch ganz neue Formate und Projekte. „Durch den direkten Kontakt zu den Grundschulen und der unteren Schulaufsicht vor Ort konnten wir ein sehr erfolgreiches Konzept entwickeln und umsetzen, das die Methoden vom ‚Haus der kleinen Forscher‘ in den Deutsch-Intensivkursen einsetzt“, erzählt Nadejda Pondeva. Kinder, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen, besuchen diese Kurse zusätzlich zum normalen Unterricht – und üben auch beim Entdecken und Forschen, sich in der neuen Sprache auszudrücken.

Allianz starker Förderer – Netzwerk „Kleine Forscher Hamburg“

Das Netzwerk „Kleine Forscher Hamburg“ ist seit 2019 beim Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY angesiedelt, einem Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft. DESY fungiert als Netzwerkpartner der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ für ganz Hamburg und verantwortet damit ein großes Einzugsgebiet. Zwischen 2014 und 2018 war das Netzwerk direkt an die Stiftung angebunden, da sich bis zu diesem Zeitpunkt kein lokaler Partner hatte finden lassen.

Kompetenz und Zeit für Fundraising und Vernetzung

Seine heutige Aufstellung macht das Netzwerk besonders: Während DESY als Arbeitgeber der beiden Koordinatorinnen die gesamte interne Infrastruktur und notwendige Dienstleistungen zur Verfügung stellt, sichert eine vielfältige Allianz von starken Förderern das notwendige Budget. Im Jahr 2019 waren dies die Airbus Operations GmbH, die Aurubis AG, die Beiersdorf AG, die Claussen-Simon-Stiftung und die Reinhard Frank-Stiftung.
Durch die Allianz zwischen den Förderern und DESY gelingt es heute, den Fortbestand des Netzwerks zu gewährleisten und damit der großen Zahl interessierter pädagogischer Fach- und Lehrkräfte die Möglichkeit zu geben, ihre Einrichtungen zu noch besseren Bildungsorten zu entwickeln. Mit ihrem Engagement für das „Haus der kleinen Forscher“ stehen die Förderer damit für ihre Überzeugung ein, dass zukunftsfähige Bildung nur unter Einbezug von Kitas, Horten und Grundschulen gelingt.
Wichtig: Einen solchen Verbund aufzubauen und zu halten bedarf auf Seiten des Netzwerks der Kompetenz und Zeit für Fundraising und Vernetzung. Die Allianz ermöglicht dabei nicht zuletzt auch die Zusammenarbeit mit Beteiligten, die auf den ersten Blick nicht in den MINT-Bereich passen, wie zum Beispiel das „Lesefest Seiteneinsteiger“ und die Hamburger Kunsthalle. So wird ein wichtiger Gedanke aus dem pädagogischen Ansatz des „Hauses der kleinen Forscher“ gelebt: bereichsübergreifend auch die Fragen der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen, die (noch) nicht in MINT-Kategorien denken und sie so mit dem entdeckenden und forschenden Lernen vertraut zu machen.