Wirkungen der Angebote

Seit Herbst 2018 führt die Stiftung eine langfristig angelegte Längsschnittbefragung durch unter Teilnehmenden der Bildungsangebote des „Hauses der kleinen Forscher“. Sie erhebt die Wirkungen des kontinuierlichen Fortbildungsangebots zu früher MINT-Bildung auf die Kompetenzen und Einstellungen der pädagogischen Fach- und Lehrkräfte. Zudem untersucht sie, wie die Fortbildungsinhalte in der Praxis umgesetzt werden. So kann sie die professionelle Entwicklung der Pädagoginnen und Pädagogen durch ihre Teilnahme am Fortbildungsangebot nachzeichnen.
Im Hinblick auf die Weiterentwicklung ihrer Angebote förderte die Stiftung gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zudem eine externe Studie. Ziel war es, Auskunft über Professionalisierungsprozesse pädagogischer Fach- und Lehrkräfte im MINT-Bereich und Hinweise auf deren Lernbedarfe im Laufe ihrer professionellen Entwicklung in diesen Disziplinen zu erhalten.

 

Professionelle Entwicklung der pädagogischen Fachkräfte

Besuch von Fortbildungen der Stiftung zeigen sowohl kurzfristige als auch mittelfristige Wirkungen auf die professionelle Entwicklung in Bezug auf Motivation, Selbstwirksamkeit und Wissen (erste Ergebnisse der Längsschnittbefragung sind im Monitoring-Bericht 2018/2019 der Stiftung veröffentlicht):

Auf die Frage nach ihrer Motivation geben die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte durchschnittlich an, dass diese bereits vor der Fortbildung hoch ist, sie direkt danach aber noch motivierter sind, mit Kindern zu MINT-Themen zu entdecken und zu forschen:

Motivation vor der Fortbildung: 4,9
Motivation direkt nach der Fortbildung: 5,2
Motivation 2-5 Monate nach der Fortbildung: 5,1

(1 = keine Zustimmung bis 6 = volle Zustimmung)

Nach ihrer Selbstwirksamkeit befragt, sagen die Pädagoginnen und Pädagogen im Durchschnitt, dass sie sich das Entdecken und Forschen mit Kindern nach dem Besuch einer Fortbildung noch stärker zutrauen:

Selbstwirksamkeit vor der Fortbildung: 4,9
Selbstwirksamkeit direkt nach der Fortbildung: 5,2
Selbstwirksamkeit 2-5 Monate nach der Fortbildung: 5,1

(1 = keine Zustimmung bis 6 = volle Zustimmung)

Befragt nach ihrem Wissen in Bezug auf das Entdecken und Forschen mit Kindern, sagen die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte im Mittel, dass sie es nach dem Fortbildungsbesuch höher einschätzen:

Wissen vor der Fortbildung: 4,9
Wissen direkt nach der Fortbildung: 5,2
Wissen 2-5 Monate nach der Fortbildung: 5,1

(1 = keine Zustimmung bis 6 = volle Zustimmung)

Auch wenn die Zustimmung der pädagogischen Fach- und Lehrkräfte hinsichtlich der Aussagen zu diesen Merkmalen einige Monate nach dem Fortbildungsbesuch wieder etwas geringer ausfällt, besteht im Vergleich zum Ausgangswert vor Besuch der Fortbildung durchschnittlich dauerhaft ein signifikanter Lernerfolg.

Einflüsse auf die professionelle Entwicklung

Die unabhängige wissenschaftliche Studie „Entwicklungsverläufe von pädagogischen Fach- und Lehrkräften“ (EpFL-MINT) wurde an der Goethe-Universität Frankfurt am Main durch die Forschungsgruppe um Professorin Dr. Diemut Kucharz und Dr. Nina Skorsetz durchgeführt (2017 bis 2019). Sie kommt im Einklang mit den Ergebnissen der Längsschnittbefragung zu folgenden Erkenntnissen:
Eine deutliche Mehrheit der pädagogischen Fach- und Lehrkräfte bewertet die frühe MINT-Bildung sowohl in Kitas als auch in Grundschulen als wichtig. Die Befragten schätzen ihr Wissen zum Entdecken und Forschen mit Kindern hoch ein. Mit Blick zurück urteilen sie, dass sie ihr Wissen zum Entdecken und Forschen mit Kindern im Rahmen des Fortbildungsangebots der Stiftung erweitern konnten. Zudem trauen sie sich in hohem Maße zu, Kinder beim entdeckenden und forschenden Lernen zu begleiten.
Hinweise auf den Verlauf der professionellen Entwicklung im MINT-Bereich gibt die Studie durch Vergleiche zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen pädagogischen Fach- und Lehrkräften. Verglichen wurden jene mit und ohne MINT-Hintergrund, mit vielen und mit wenigen besuchten Fortbildungen der Initiative „Haus der kleinen Forscher“ sowie mit vielen bzw. mit wenigen Jahren Berufserfahrung.

Die Ergebnisse der externen Erhebung sprechen dafür, dass die Anzahl besuchter Fortbildungen des „Hauses der kleinen Forscher“ von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der professionellen Kompetenz in der MINT-Bildung ist.
Die Vergleiche legen nahe, dass pädagogische Fach- und Lehrkräfte, die bereits viele Fortbildungen besucht haben, sowohl ihr Wissen als auch ihre Motivation, Kinder beim entdeckenden und forschenden Lernen zu begleiten, höher einschätzen, als jene, die an nur wenigen Fortbildungen teilgenommen haben. Weiterhin deuten die Vergleiche darauf hin, dass Befragte mit MINT-Hintergrund und längerer Berufserfahrung motivierter für das Entdecken und Forschen sind als Befragte ohne MINT-Hintergrund bzw. mit weniger Berufserfahrung. Wissensunterschiede traten hier nicht zutage. Es zeigt sich außerdem, dass pädagogische die Befragten mit MINT-Hintergrund (im Vergleich zu jenen ohne) die MINT-Bildung in Kitas eher als wichtig einschätzen. Dies zeigt sich auch bei Befragten mit vielen besuchten Fortbildungen im Vergleich zu denen mit wenigen.
Befragt zu wichtigen Gelingensbedingungen der Fortbildungen, benennen die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte das eigene Entdecken und Forschen, die Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Fortbildung sowie das regelmäßige und vielfältige Fortbildungsangebot der Stiftung als wichtig für ihre professionelle Entwicklung. Die Fortbildungen helfen ihnen auch dabei, Hemmnisse und Ängste hinsichtlich des Forschens im MINT-Bereich abzubauen.

Mit Daten der Längsschnittbefragung untersucht die Stiftung derzeit, inwiefern individuelle Voraussetzungen und berufliche Rahmenbedingungen mit der Entwicklung professioneller Kompetenzen der befragten pädagogischen Fach- bzw. Lehrkräfte nach einem Fortbildungsbesuch zusammenhängen. Die Analysen der internen Untersuchung geben Hinweise darauf, dass sich die Anzahl besuchter Fortbildungen mittel- bis langfristig betrachtet positiv auf die Entwicklung professioneller MINT-Kompetenzen von Pädagoginnen und Pädagogen auswirkt.
Zudem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Fortbildungen der Stiftung insbesondere Wirkungen auf die Entwicklung des fachdidaktischen Wissens entfalten. Betrachtet man die Entwicklung von Motivation und Selbstwirksamkeit, deutet sich ein maßgeblicher Einfluss der organisationalen Rahmenbedingungen auf die Kompetenzentwicklung an (Verankerung von MINT-Bildung im Einrichtungskonzept und Betreuungsschlüssel).

Die Ergebnisse der Frankfurter Studie sowie der Längsschnittuntersuchung zur Professionalisierung in der frühen MINT-Bildung werden 2020 in Band 13 der wissenschaftlichen Schriftenreihe veröffentlicht.